Das mit der „Bestimmung“ ist so eine Sache…

Ich sitze nun seit fünf Tagen zuhause, hustend, niesend und nach Luft ringend. Mit jeder Stunde, in der ich nicht nach draußen in die Frühlingsluft und in den Sonnenschein darf, tue ich mir selbst mehr leid. Ich bin unruhig und ungeduldig, nervös, zappelig und ich kann mich nicht erinnern, wann ich mich das letzte Mal so gelangweilt habe.

Ich komme mir vor wie ein Vogel im Käfig. Ein ziemlich erbärmlicher Vogel, denn ich singe nicht. Nicht einmal so sehr, weil ich es nicht könnte; das wäre ja eine ganz legitime Ausrede. Ich aber, ich bin ganz einfach zu bequem. Ich benutze gerne die Entschuldigung, dass ich „nicht in Stimmung sei“ oder dass „mir die Muse fehle“. Aber selbstkritisch wie ich bin, weiß ich das natürlich besser.

Es gibt so viel einfachere Zeitvertreibe als seiner „Bestimmung“ zu folgen. Ich nenne sie gerne „die Versuchung“. Das sind so Dinge, bei denen man – jetzt einmal krass gesagt – „kein Hirn braucht“. Ich denke dabei an Begriffe wie „leichtes Geplänkel“, „Zeit totschlagen“, „sich gehen lassen“, usw. Und warum sollte man es sich auch nicht leicht machen? Warum sich anstrengen, warum „kämpfen“, wenn es auch anders geht? Warum sich stellen, wenn man auch ausstellen kann? Die Argumente hierfür gehen mir auf jeden Fall nicht so schnell aus.

Doch Gottseidank gibt es dann diese Momente, in denen ich mich miserabel fühle. Es sind die Augenblicke, in denen mir bewusst wird, wie viel ich eigentlich vergeude und wie unzufrieden und unglücklich mich das am Ende des Tages macht. Ich bin so unglaublich dankbar dafür. Denn genau das ist die Motivation, die ich brauche. So absurd es auch klingen mag, wenn man sich schlecht genug fühlt, ändert man schon einmal die eine oder andere Angewohnheit. Eigentlich eine verrückte Sache.

Vielleicht finde ich irgendwann auch einen anderen Weg. Sicherlich gibt es ihn. Fürs Erste freue ich mich darauf, bald wieder in die Welt hinaus zu dürfen, meine Flügel auszuprobieren. Und wer weiß, ob mich nicht schon hinter der nächsten Kurve etwas zum Singen bringt.

 

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