vom Geschichtenerzählen

Man kann nicht behaupten, ich wäre kein Fan von Happy Ends. Ich habe absolut nichts gegen Und-wenn-sie-nicht-gestorben-sind-Geschichten. Im Gegenteil: Sie inspirieren, an das Gute zu glauben, daran, dass schon alles in Ordnung kommen wird. Und das haben wir jederzeit nötig, vor allem aber in der heutigen Welt, in der – so scheint mir – positives Denken zunehmend erschwert wird.

Dennoch finde ich auch eine Prise Realismus hier und da erfrischend, ja sogar notwendig. Ich beobachte bei mir selbst oft, dass ich mich beim Schreiben dazu verpflichtet fühle, meinen Text „gut ausgehen zu lassen“. Ein versöhnliches Ende ist ja schön und gut, aber nicht, wenn es zum Zwang wird. Klischees und Stereotype gibt es schon genug.

Es geht mir hier nicht ums Schwarzmalen, aber hat nicht jede Geschichte ein eigenes, ein persönliches Ende verdient? Ein Ende, das ihr auch wirklich entspricht ist doch viel überzeugender als ein – böse gesagt – „Nullachtfünfzehn-Schluss“. Auch wenn es mitunter die Erwartungen der Lesenden enttäuschen und sie mit einem unguten Gefühl zurücklassen mag.

Sind es nicht auch solche „realistischen“ Geschichten, die die große Macht haben, uns zum Nachdenken anzuregen? Die Wahrheit ist eben nicht immer rosarot. Und Schönreden nimmt vielem die Tiefe. Ist nicht ein Chiaroscuro viel ausdrucksvoller als ein seichtes, gleichfarbiges Bild?

Schwarz und weiß, gut und böse, hell und dunkel – natürlich braucht es immer beide Seiten und deren Zusammenspiel, damit ein gelungenes Werk entstehen kann. Nur scheint mir, dass wir manchmal vor der Dunkelheit zu schnell zurückschrecken.

Sicherlich gibt es auch das andere Extrem, das gar nicht mehr herauskommt aus der Finsternis. Diesen Menschen sind sicherlich die lichteren Geschichten zu empfehlen. Zu viel Schwere tut eben auch nicht gut.

Fazit: Ich selbst möchte diesen Punkt erreichen, wo ich mich nicht mehr dazu verpflichtet fühle, das Ende einer Geschichte, sei es mündlich oder schriftlich oder in welcher Form auch immer, in einer bestimmten Weise zu verfassen. Wenn mir mal zwischendurch der Sinn nach „Untergangs-Stimmung“ steht, möchte ich gerade darauf zusteuern, statt noch schnell die Kurve einzuschlagen und alle Ehrlichkeit hinter mir zu lassen.

Es ist sicherlich ein nicht ganz ungefährliches Spiel. Aber genau das macht es doch so spannend.

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