aus dem Kopf gefischt

nachgeschlagen

Erst nach zwei Tagen wird mir die Ruhe allmählich bewusst; erst dann fange ich an, die Stille so richtig zu hören. Sie ist tief und weit und scheint sich dem Universum gleich täglich weiter auszudehnen.
Sie nimmt mich in sich auf, nimmt mich ein und nimmt mich mit. Auf eine Reise tief ins Innere. Eine Reise in die Stille.
Ich werde schweigsamer. Noch schweigsamer als ich sonst schon oft bin. Und das Radio bleibt aus – Gewohnheit hin oder her.
Wer sagt, die Stille sei leer, täuscht sich. Es ist genau verkehrt. Die Stille hat nämlich sehr viel zu bieten, viele Antworten, viele Weisheiten und Erkenntnisse.
Aber: Man muss sich darauf einlassen. Wenn man mit den Füßen strampelt und wie wild um sich schlägt, versinkt man. Stille hat Treibsand-Potential. Oh ja.
Auch ich bin zunächst skeptisch. Ich habe nicht darum gebeten, habe mir das nicht ausgesucht, mich nicht dafür entschieden. Warum genau jetzt? Warum genau ich? Aber andererseits: Warum nicht?
Als ich aufhöre, mich wie verrückt dagegen zu wehren, wird mir die Möglichkeit bewusst, die Chance, die sich mir hier bietet: Habe ich mir nicht schon oft genug gewünscht, endlich zur Ruhe zu kommen und Frieden zu finden?
Also versuche ich loszulassen. Ich lehne mich zurück, schließe die Augen, lasse mich treiben. Die Stille trägt mich; sie lässt mich nicht fallen. Selbst wenn ich zwischendurch das Vertrauen verliere und ins Zweifeln komme.
Es gibt viele Wege hier, viele Richtungen. Hinter jeder Abzweigung verstecken sich neue Möglichkeiten, die entdeckt werden wollen. Manche rufen nach mir, andere sind schweigsam. Auch die Stille kann laut sein, sogar ohrenbetäubend.
Ich weiß, dass ich jederzeit gehen kann. Es liegt bei mir, ob ich bleibe oder nicht. Aber mir ist auch bewusst, dass dies eine Gelegenheit ist, die sich nicht oft bietet. Stille mag zwar potentiell überall sein, aber sie will nicht immer gefunden werden. Deshalb lasse ich sie herein, als sie an meine Türe klopft. Ich gebe ihr die Hand, biete ihr einen Schlafplatz an. Auch wenn wir uns nicht immer einig sind, behalte ich im Hinterkopf, dass ich inm Grunde schon lange auf sie gewartet habe. Also: Die Chance nutzen – Zeitpunkt hin oder her. Denn wer weiß schon, wann ich sie das nächste Mal treffe?

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