traumhaft (Teil 1)

Plitsch. Plitsch. Plitsch. Platsch.

Als die ersten Regentropfen gegen die Scheibe klopfen, springe ich schlagartig auf. „Komm… komm!“, rufe ich begeistert und laufe zur Haustür, schlüpfe in das erstbeste Paar Schuhe, das ich finden kann, und reiße die Tür auf. Du folgst mir, vertraust mir, ganz ohne zu fragen, was ich denn will, zur Tür hinaus, die hinter uns ins Schloss fällt, auf die Straße hinunter.

Ich trete unter dem Vordach hervor, bleibe stehen, recke mein Gesicht gen Himmel, will endlich nach all der Hitze wieder Regen spüren, Leben spüren. Plitsch. Plitsch. Plitsch. Platsch.

„Komm, lass uns spazieren gehen!“, platzt es ungestüm aus mir hervor und ich fühle mich wieder wie ein Kind, den Schelm im Nacken, frei und wild.

In deinen Augen blitzt es belustigt auf, doch nicht spöttisch-herablassend, sondern berührt, ergriffen, inspiriert. „Eine fantastische Idee!“, scheint dein Inneres Kind gerade zu meinem zu sagen. „Auf geht’s!“

Seite an Seite schlendern wir durch den Regen, gemütlich, genießend, die frische Lust kostend wie nach langer Wüste. Die Straßen werden leerer und leerer und ich lasse mich dazu hinreißen, die Arme auszubreiten und mich im Kreis zu drehen. Im Regen zu tanzen.

Wir kommen nicht weit. Plötzlich regnet es mehr und mehr.

„Schon zurück?“ Enttäuscht blicke ich nach oben. „Jetzt müssen wir wohl umkehren…“ Niedergeschlagen will ich Richtung wechseln, doch du hältst mich davon ab, schüttelst nur sanft deinen Kopf. „Vertraust du mir?“, willst du wissen.

Ich nicke, ganz ohne zu zögern. „Natürlich.“

Du grinst mich an. „Bereit für ein Abenteuer?“

Wieder nicke ich.

Du greifst nach meiner Hand. „Auf drei geht’s los.“

Eins. Zwei. Drei.

Wir rennen los, Hand in Hand, gemeinsam, zusammen, durch den mittlerweile strömenden Regen. Wasser läuft mir über die Haut und unter die Kleidung, erzeugt wohlige Schauer, kühlt ab nach all den Sonnentagen.

Der Regen wird noch stärker. Meine Brille ist über und über mit Tropfen bedeckt und ich sehe kaum noch was. Doch ich spüre den Regen, das Leben, meine Hand in deiner, und ich jauchze als gäbe es kein Morgen mehr.

Erst als es anfängt zu hageln, stellen wir uns irgendwo unter, unter einer großen, alten Eiche, die schützend und mächtig aufragt abseits der Häuser.

„Na du bist mir eine…“ Lächelnd schüttelst du den Kopf. Als würdest du mich und meine Ideen nicht mittlerweile kennen! Aber ich weiß wie du das meinst und ich grinse dich nur an und schmiege mich an dich. Du schlingst deine Arme um mich, deine großen, starken Arme, und ich spüre schon wieder diese Wärme in mir aufsteigen. Trotz nasser Kleidung ist da diese Wärme in mir und auch diese Hitze, dieses Feuer, die Geborgenheit. Es knistert ganz gewaltig, dann schnellt auf einmal ein Blitz über den Himmel und der Donner rollt hinterdrein.

Mittlerweile hat es aufgehört zu hageln, es regnet nur noch stark, doch du löst dich von mir, streckst mir wieder deine Hand hin und fragst ganz scheinheilig-schelmisch: „Na, bereit für ein weiteres Abenteuer…?“

Ja, mit dir immer.

Mit dir.

Immer.

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