• Augenblicke

    Wo der Wildbach rauscht

    Ich wache auf, weil jemand an meiner Schulter rüttelt. Mit einem unterdrückten Stöhnen stelle ich fest, dass es noch mitten in der Nacht sein muss. Noch nicht ganz wach, gehen mir folgende Gedanken durch den Kopf: Ich hoffe nur, es gibt einen guten Grund, mich zu dieser Uhrzeit aus dem Schlaf zu reißen – ansonsten kann ich echt ungemütlich werden…

  • Augenblicke

    Moment I

    Die Beobachtung zu schulen ist auch für einen Schriftsteller essentiell – das lehrte mich Peter Camenzind. Es geht darum, durch das immer präzisere Erfassen von winzigen Details und Stimmungen dem Leser ein immer glaubwürdigeres und plastischeres Bild vermitteln zu können. Deshalb habe ich beschlossen, mir jetzt wie ein Zeichner oder Maler eine „Skizzenmappe“ anzufertigen: Ab jetzt sammle ich Momente.

  • Augenblicke

    Herz über Kopf*

    Gemächlich rollt der Zug in den Bahnhof ein. Es ist als hätte er alle Zeit der Welt. Einige der Passagiere werden schon unruhig. Sie haben es, im Gegenzug zur Eisenbahn, eilig, haben „dringende Verpflichtungen“ und können folglich keine einzige Minute „verlieren“. „Ein bisschen Entschleunigung könnte da nicht schaden“, denke ich, gefolgt von „Ich kenne da jemanden, der mich wegen eines solchen Gedankens ohne zu zögern als ‚anmaßend‘ verurteilen würde, auch wenn es ganz anders gemeint ist…“ Weiter komme ich nicht, denn da sehe ich ihn plötzlich:

  • Augenblicke

    ein guter Morgen

    Aufwachen zum Zwitschern der Vögel. Wach sein, lächeln. Meditieren – in sich selbst ruhen. Das Fenster öffnen, den Kopf hinausstecken, die frische Morgenluft einatmen – sich lebendig fühlen. Beim Frühstück die Sonnenstrahlen genießen, ohne Stress und Diskussionen. In aller Ruhe duschen – Verspannungen lösen, die Lebensgeister wecken. Zu Madcons „Beggin“ in Unterwäsche durch die Wohnung tanzen. Nicht denken, nur spüren und tun. Mit dem eigenen Spiegelbild flirten. Die Haustür öffnen und die Sonne grüßen. Die frische Luft einatmen, den Vögeln lauschen. Lächeln.

  • Augenblicke

    Alpenglühen – wie im Märchen

    Ich sitze am Frühstückstisch und blicke aus dem Fenster. Im Westen nehmen die Bergspitzen langsam eine hellere Färbung an, während im Osten der Himmel knapp über den Gipfeln den beginnenden Tag ankündigt. Ich halte inne und nehme mir ausgiebig Zeit, dieses Naturschauspiel zu betrachten. Alles andere kann jetzt warten.